Bürgerpreis 1996

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Dankrede Erhardt Krübbe zur Verleihung des Bürgerpreises Ricklingen 1996 - am 14. Februar 1997

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe "Gästinnen", liebe Gäste,

bei vielen Verleihungen von Ehrenpreisen, z. B. beim Nobelpreis, beim Karlspreis u. a. erhält der/die Geehrte die Gelegen-heit zu einer kurzen Dankesrede. Und ich finde es gut, daß auch hier ein Beteiligter zu Worte kommen darf.
Zunächst bedanke ich mich sehr herzlich bei den Leuten, die mich für diese Ehrung vorgeschlagen haben und ich danke ebenso dem Gremium, das dem Vorschlag gefolgt ist und Frau Martin und mich zur Ehrung hier eingeladen hat. Das ging nicht ohne Organisatoren und sonstige Mitwirkende ab. Ihnen sei ebenfalls gedankt.

Erhardt Krübbe
Erhardt Krübbe hält seine Dankrede

Als mir bekannt wurde, daß man mich ausgeguckt hatte, - das muß ja vorher sein, sonst ist die/der gewünschte Ehrengästin/-gast zum angedachten Termin vielleicht zur Besichtigung auf dem Nordpol - habe ich nachgedacht - das soll vor-kommen - über ehrenamtliche Tätigkeiten allgemein und über mich, als einer, der "für umsonst" zumindest zum Teil für die Allgemeinheit oder einen Teil davon arbeitet.

Herr Bock hat ja schon erläutert warum und wieso es diesen Preis gibt und nach welchen Kriterien die Preisträgerinnen und Preisträger ausgesucht werden. Und er hat auch ausführlich über mich gesprochen - und mich gelobt. Ich will aber etlichen Dank weiterreichen. Erst einmal an meine Frau, die ja betroffen ist von meinen Aktivitäten und darunter auch manchmal leidet. Dann erwähne und danke ich gerne dem Ehrenbornumer Hartmut Herbst. Sicher, er macht/e es bisher teilweise beruflich. Aber es gibt solche Berufsausübung und sonne - und es gibt Überstunden. Und dazu ist unbedingt zu erwähnen Rudolf Förster, der Mann für alle Bornumer Gelegenheiten - und immer zuverlässig. Vielen Dank, Rudi.

Leute, die Ehrenamtsarbeiten übernehmen sind offensichtlich heute gesuchte Leute - wie ich der Presse entnehmen kann. Da will ein Parteimann die Großstädte - ich möchte beinahe sagen mit Ehrenamtlichen sanieren. Und ein scheidender Beamter der Landeshauptstadt meint auch, daß es zum Wohle der Landeshauptstadt Hannover vielmehr ehrenamtlich Tätige geben müsse. So könnten mit ehrenamtlichen Engagement mehr Kindergartenplätze geschaffen werden, meint er. Aber hier werden nicht die Ehrenamtlichen gelobt, sondern es soll einfach Geld eingespart werden. Man will versuchen die USA "nachzuahmen". Wie heißt es in der Zeitung ? "Kommunitaristische Projekte wie in den USA" werden immer populärer. Diese Einstellung finde ich nicht gut. Letztendlich machen dann die Arbeitslosen neben dem Warten auf den Job "ehrenamtliche Tätigkeiten".

Ich finde, daß die, die gerne irgendwo ehrenamtlich etwas tun wollen, sich ihr Arbeitsgebiet unbeeinflußt selbst aussuchen sollen. Und wenn man solche Leute anerkennt und mal herausstellt - wie es heute hier geschieht -, dann findet man vielleicht auch "Nachwuchs".
Immerhin soll laut Presse jeder/jede 6. oder 7. - etwa 16% - der Deutschen ehrenamtlich tätig sein,. Dazu zählen sicher auch die, die "halbamtliche" Ehrenämter wahrnehmen, u. a. wohl viele Politiker. Die Gruppe der über 70 jährigen liegt dabei genau im Durchschnitt - also bei 16%.

Ich habe mir auch Gedanken gemacht warum Menschen - insbesondere warum ich - so tätig werden. Sicher ist es oft Machtstreben und Geltungssucht, Hunger nach Anerkennung und Streicheleinheiten von außen, Jagd nach persönlichen Vorteilen, Idealismus - der wird ja heute oft belächelt -, innere Unruhe, Fitness-Training für die geistige Beweglichkeit, Neigung, Veranlagung (z. B. Sammeltrieb), Mitleid mit Schwachen. Es gibt sicher noch einige andere Motive. Bei mir ist es sicher von allem jeweils ein bißchen, denke ich mir. Nur die Jagd nach persönlichen Vorteilen schließe ich eigentlich aus.

Nun komme ich - fast schon - zum Schluß. Leider sind wir hier ja ziemlich weit von der schönen Ostsee und von Kiel entfernt. Sonst würden Sie sicher den schönen Schnack von der kaiserlichen Werft kennen. Da war mal ein Maat auf der kaiserlichen Werft in Kiel der hielt damals schon viel von Corporate Identy, also er war voll und ganz für seine Werft eingenommen - aber geistig auch nicht so sehr beweglich. Man merkte das daran, daß er wenn er militärisch oder nichtmilitärisch etwas erklären sollte - egal von wem er angesprochen wurde, ob von einem Rekruten oder vom Kaiser selbst - und unabhängig vom Thema, ob es sich um Kanonen oder Zahnbürsten handelte, zum Schluß seiner Ausführungen immer wieder auf/bei der kaiserlichen Werft landete. Es war einfach zum Verzweifeln.

Ich bin in diesem Augenblick der Maat von Bornum und nutze daher gern die Gelegenheit - bei soviel anwesender Prominenz - wieder einmal für den Statteil die Trommel zu rühren. Laut Zeitungsbericht besteht wieder die Gefahr, daß über kurz oder lang unsere Kulturstätte, das Feuerwehrgerätehaus, den Bornumern verloren geht. Ich sage nicht umsonst "Kulturstätte". 1996 hatten wir dort fünf Kindertheateraufführungen. Es kamen bis zu 75 Gäste in eine Vorstellung. Und dank der ehrenamtlichen Feuerwehr gab es dort ja schon immer Kultur: Stadtteilfeste u. ä. und nur die Aufbauwehen des Bornumer Stadtteil- und Kulturvereins haben es verhindert, daß dort ein Kulturabend oder auch Faschingsabend gefeiert wurde. Übrigens: Das alles ist in der Bornumer Kirche nicht möglich, aus mehreren Gründen - und auch nicht im neuen Kindergarten.
- Und was ist mit dem traditionellen Osterfeuer?
Die Schaffung einer allgemein nutzbaren Kulturstätte (bzw. ihre Erhaltung) in Bornum wäre ein Ehrenpreis für alle Bornumerinnen und Bornumer.

Ich wünsche dem Bezirksrat Ricklingen viele ehrenamtliche Helfer, auch solche, die manchmal penetrant sind und auf die Nerven gehen, Mahner also.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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Die Informationen auf dieser Seite und die Fotos zur Bürgerpreisverleihung 1996 wurden uns freundlicherweise von Herrn Erhardt Krübbe zur Verfügung gestellt.
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